China verbannt Mbappé aus dem Fernsehen – Real Madrid entschuldigt sich
Antonio Spitaleri Allgemein Europa Fussball International Ligue 1 Magazine News Orte Schweiz soccer.ch Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch Themen Übersee Verbreitung
Kylian Mbappé steht in China nach einem Scherz über Mao Zedong massiv unter Druck. Chinesische Unternehmen beenden ihre Sponsoringverträge mit dem Superstar von Real Madrid, seine Social-Media-Konten werden eingeschränkt und das Staatsfernsehen setzt Übertragungen der spanischen La Liga aus. Obwohl sich der 27-jährige Franzose entschuldigt hat, zieht der Konflikt immer weitere Kreise.
Auslöser ist ein älterer Ausschnitt aus der französischen Gesprächssendung "The Bridge", der sich in den chinesischen sozialen Netzwerken verbreitete. Mbappé sprach darin über eine Fotomontage, auf der sein Gesicht auf den Körper eines vermeintlichen chinesischen Diktators gesetzt wurde. Gemeint war offenbar Mao Zedong. Die Bemerkung löste in China heftige Reaktionen aus.
Für Real Madrid entwickelt sich der Vorfall zu einem wirtschaftlichen und diplomatischen Problem. China gehört zu den wichtigsten internationalen Absatzmärkten des spanischen Rekordmeisters. Der Konflikt trifft den Verein ausgerechnet in einer sportlich erfolgreichen Phase: Mbappé hatte zuletzt mit zwei Toren im Clásico gegen Barcelona für Schlagzeilen gesorgt. Nun steht seine öffentliche Wahrnehmung ausserhalb des Spielfelds im Mittelpunkt.
Ein alter Scherz wird zum internationalen Skandal
Die Aussagen stammen aus einem Interview, in dem Mbappé nach besonders lustigen Internetbildern gefragt wurde. Der Franzose erinnerte sich an eine Fotomontage, auf der sein Gesicht mit dem Bild einer historischen politischen Persönlichkeit kombiniert worden war.
Während der Stürmer die Darstellung als Scherz schilderte, löste der Ausschnitt in China Empörung aus. Mao Zedong, der 1976 verstorbene Gründer der Volksrepublik China, bleibt dort eine politisch besonders sensible Persönlichkeit.
Die Verbreitung des Videos am 26. Oktober führte innerhalb kürzester Zeit zu heftiger Kritik. Besonders bemerkenswert ist, dass chinesische Medien den konkreten Inhalt der Bemerkung teilweise nicht wiedergaben. Stattdessen war allgemein von verletzenden Aussagen gegenüber China die Rede.
Drei grosse Unternehmen ziehen Konsequenzen
Besonders schnell reagierten die chinesischen Geschäftspartner des Fussballstars.
Der Getränkekonzern Dongpeng Beverage beendete die Zusammenarbeit mit Mbappé. Das Unternehmen hatte den französischen Nationalspieler unter anderem für seine Elektrolytgetränke beworben.
Auch die Milchproduktehersteller Mengniu und Milkground kündigten ihre Partnerschaften auf.
Für Mbappé bedeutet der Verlust gleich mehrerer Sponsoren einen erheblichen wirtschaftlichen Rückschlag. Chinesische Unternehmen investieren seit Jahren grosse Summen in internationale Fussballstars, um ihre Marken im heimischen Markt zu stärken.
Darüber hinaus verschwanden bei mehreren internationalen Marken Inhalte mit Mbappé aus chinesischen Social-Media-Auftritten. In einer grossen Adidas-Filiale in Peking fanden Journalisten weiterhin Trikots von Real Madrid, allerdings keine mit Mbappés Namen.
China stoppt spanischen Fussball im Staatsfernsehen
Die Folgen beschränken sich nicht auf die Werbeindustrie.
Die staatliche China Media Group, zu der der Fernsehsender CCTV gehört, entschied, die Übertragung der spanischen Meisterschaft auszusetzen.
Damit erreicht der Konflikt eine neue Dimension. Nicht nur der betreffende Spieler, sondern eine komplette europäische Spitzenliga ist von den Konsequenzen betroffen.
Auch der chinesische Streaminganbieter Migu nahm Real Madrids nächstes Meisterschaftsspiel aus seinem Übertragungsprogramm. Für die übrigen Partien des Spieltags waren weiterhin Übertragungen vorgesehen.
Die spanische Liga bemüht sich deshalb um eine diplomatische Lösung. Präsident Javier Tebas prüft Berichten zufolge eine Reise nach China, um die Beziehungen zu den dortigen Partnern zu stabilisieren.
Real Madrid entschuldigt sich offiziell
Mbappé entschuldigte sich am Dienstag, 27. Oktober 2026, für seine Äusserungen. Einen Tag später folgte eine Erklärung seines Vereins.
Real Madrid betonte darin seinen Respekt gegenüber China, dessen Geschichte, Kultur und Bevölkerung. Der Verein verwies ausserdem auf die Millionen chinesischen Anhänger, die den spanischen Spitzenklub unterstützen.
Die chinesische Regierung reagierte am Mittwoch auf die Entschuldigung. Aussenamtssprecher Guo Jiakun erklärte, die Entschuldigung werde ernst genommen.
Eine unmittelbare Rücknahme der wirtschaftlichen und medialen Massnahmen folgte daraus zunächst nicht.
Warum der Streit für Real Madrid gefährlich ist
Für den spanischen Klub ist der chinesische Markt von enormer Bedeutung. Real Madrid verfügt dort über eine grosse Anhängerschaft, die über Fernsehübertragungen, soziale Medien und den Verkauf von Fanartikeln erreicht wird.
Der Ausfall von Übertragungen gefährdet diese Präsenz. Zusätzlich können Sponsoren und internationale Geschäftspartner zurückhaltender werden, wenn politische Auseinandersetzungen ihre Werbekampagnen beeinträchtigen.
Sportlich hat der Skandal zunächst keine unmittelbaren Konsequenzen für Mbappé. Der französische Nationalspieler bleibt ein zentraler Leistungsträger von Real Madrid.
Der Konflikt verdeutlicht jedoch, wie stark die internationale Fussballwirtschaft von politischen und kulturellen Rahmenbedingungen abhängig ist. Auch für Schweizer Vereine und Sportvermarkter, die mit Partnern in Asien zusammenarbeiten, zeigt der Fall die möglichen Folgen öffentlicher Äusserungen prominenter Athleten.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert