A13 und A28 in Graubünden: Wie schwer der Tourismusverkehr Gemeinden belastet
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Auto Behörden Graubünden motor.ch motortipps.ch News Prävention Reisen reiseziele.ch Routen Schweiz Sicherheit Tipps tourismus.ch Verkehr
Wenn sich Ferien- und Ausflugsverkehr auf der A13 und A28 staut, geraten auch die umliegenden Gemeinden unter Druck. Ausweichrouten führen zusätzliche Autos durch bewohnte Strassen. Für die Bevölkerung geht es dabei um mehr als Wartezeit: um erreichbare Ortszentren, verlässliche Busverbindungen und sichere Wege.
Graubünden versucht, diese Belastung mit Dosierungen und abgestimmter Verkehrslenkung zu begrenzen. Gleichzeitig muss die Erreichbarkeit von Wohnorten, Betrieben und Ferienzielen erhalten bleiben. Der Stand vom November 2026 zeigt, weshalb einzelne Ampeln helfen können, eine dauerhafte Entlastung aber einen Blick auf das gesamte Verkehrsnetz verlangt.
Zwei Achsen mit unterschiedlichen Verkehrsspitzen
Die A13 verbindet das Bündner Rheintal mit den weiter südlich gelegenen Kantonsteilen und der San-Bernardino-Route. Bei Landquart trifft sie auf den Verkehr der A28 durch das Prättigau. Dort überlagern sich regionale Fahrten, touristische Anreisen und Rückreisen. Ein Engpass an einem Anschluss kann deshalb über seinen unmittelbaren Standort hinaus wirken.
Im Winter stehen besonders die Zufahrten zu den Wintersportregionen im Vordergrund. Das Tiefbauamt nennt für das betroffene Netz unter anderem Jenaz, Schiers, Grüsch, Seewis, Zizers und Landquart Ost. Zizers liegt dabei im Rheintal; die Aufzählung beschreibt einen Verkehrsraum und keine Reihe von Orten direkt an derselben Strasse.
Im Frühling und Sommer treten Belastungsspitzen entlang der A13 zwischen Thusis und der Kantonsgrenze hinzu. Feiertage und Ferien verstärken die Nachfrage in bestimmten Zeitfenstern. Für die Gemeinden ist entscheidend, wie viel davon auf ihr Strassennetz übergeht. Ein langer Stau auf der Hauptachse und eine blockierte Ortsdurchfahrt sind miteinander verbunden, verlangen aber unterschiedliche Eingriffe.
Tourismusverkehr ist nicht gleich Durchgangsverkehr
Wer Graubünden durchquert, hat andere Verkehrsbedürfnisse als ein Feriengast mit Ziel im Kanton oder ein Einwohner auf dem Heimweg. Ebenso unterscheidet sich eine reguläre Zufahrt zu einem Dorf von einer Fahrt, die dieses lediglich als Abkürzung nutzt. Diese Begriffe sollten bei der Diskussion über Schutzmassnahmen auseinandergehalten werden.
Nach den kantonalen Auswertungen entfielen während der untersuchten Frühlingsfeiertage weniger als 40 Prozent des A13-Verkehrs auf reinen Durchgangsverkehr. Mehr als 60 Prozent blieben im Kanton oder verliessen ihn über eine andere Route. Daraus lässt sich weder ein Anteil einheimischer Fahrer noch ein Anteil ausländischer Feriengäste ableiten.
Auch bedeutet ein Ziel in Graubünden nicht, dass keine Belastung für andere Gemeinden entsteht. Eine Fahrt zu einem Ferienort kann vorher mehrere Wohngebiete berühren. Umgekehrt ist nicht jedes fremde Kontrollschild ein Beleg für unerwünschten Ausweichverkehr. Massnahmen müssen sich an Verkehrsströmen, Zielen und örtlichen Auswirkungen orientieren.
Warum zusätzliche Autos im Dorf besonders ins Gewicht fallen
Eine Ortsdurchfahrt erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie erschliesst Wohnungen und Geschäfte, führt zu Haltestellen und wird zu Fuss oder mit dem Velo gequert. Zusätzlicher Verkehr beansprucht deshalb einen Raum, der bereits anders genutzt wird. Wartende Fahrzeuge können Einmündungen und Zufahrten erschweren, auch wenn der eigentliche Engpass weiter entfernt liegt.
Der regionale Richtplan Landquart beschreibt die engen, dicht bebauten historischen Zentren von Maienfeld und Zizers als besonders anspruchsvoll. Solche Strassen lassen sich nicht wie eine Autobahn betrachten. Steigt die Verkehrsmenge stark an, sinkt die Aufenthaltsqualität; zugleich werden lokale Wege und strassengebundene Verbindungen unzuverlässiger.
Der Bundesbericht zum Ausweichverkehr im Alpenraum nennt zusätzliche Lärm- und Abgasbelastungen, Zeitverluste sowie Beeinträchtigungen von öffentlichem Verkehr, Fuss- und Veloverkehr. Auch die Verkehrssicherheit ist betroffen. Eine pauschale Zahl zu zusätzlichen Unfällen in den Bündner Gemeinden ergibt sich daraus jedoch nicht und wäre ohne entsprechende Auswertung unbelegt.
Für die Bewertung genügt deshalb die Reisezeit auf der A13 allein nicht. Relevant ist ebenfalls, ob ein Bus den Bahnhof erreicht, eine Ortsverbindung offen bleibt und Einsatzfahrzeuge passieren können. Ein paar eingesparte Minuten für eine einzelne Autofahrt können mit erheblichen Nachteilen für viele lokale Wege verbunden sein.
Die Belastung endet nicht am Sonntagabend
Die kantonale Mitteilung vom 4. November 2026 hält fest, dass hohe Verkehrsmengen vermehrt auch am Donnerstag, Freitag und Montag rund um kritische Wochenenden auftreten. Ein Konzept, das ausschliesslich auf den klassischen Sonntagsrückreiseverkehr ausgerichtet ist, greift damit zu kurz. Die Beobachtung betrifft die zeitliche Verteilung und belegt keine pauschale Zunahme des gesamten Jahresverkehrs.
Für die Planung sollten touristische Spitzen und gewöhnliche Pendlerzeiten gemeinsam betrachtet werden. Überschneiden sie sich, kann dieselbe Zufahrt gleichzeitig von Feriengästen, Berufstätigen und Lieferverkehr beansprucht werden. Deshalb sind vergleichbare Messungen nach Wochentag und Tageszeit aussagekräftiger als ein einzelnes Foto einer stehenden Kolonne.
Dosieren soll die Aufnahmefähigkeit des Ortsnetzes schützen
Bei einer Dosierung wird der Zufluss begrenzt, statt jederzeit möglichst viele Fahrzeuge weiterfahren zu lassen. Das kann für Wartende zunächst widersprüchlich wirken. Der Zweck liegt darin, einem bereits belasteten Strassenabschnitt nur jene Verkehrsmenge zuzuführen, die er noch bewältigen kann, und wichtige lokale Verbindungen funktionsfähig zu halten.
In Zizers begann im Februar 2025 ein Pilot mit einer teilautomatisierten Lichtsignalanlage. Die Anlage erfasst Verkehrszahlen in Echtzeit. Eine Anzeige erläutert den Grund der Massnahme und zeigt die verbleibende Zeit bis zur nächsten Grünphase. Das soll die Steuerung an die tatsächliche Situation anpassen und den Ablauf verständlicher machen.
Für 2026 kündigte der Kanton vier weitere feste Anlagen an: zwei in Rothenbrunnen sowie je eine in Domat/Ems und Bonaduz. Zusätzlich wurde das temporäre nordwärts gerichtete Dispositiv bis zur Kantonsgrenze erweitert. Personell betriebene Dosierstellen können bei Bedarf auch auf der St. Luzisteig, bei Mastrils und Fläsch eingesetzt werden.
Die Wirkung muss über den einzelnen Standort hinaus beurteilt werden. Wird eine Einfahrt gedrosselt, kann der Rückstau einen benachbarten Knoten erreichen. Wird eine Ortsdurchfahrt attraktiver, kann Verkehr dorthin wechseln. Eine erfolgreiche Anlage ist deshalb Teil einer abgestimmten Kette und kein isoliertes Hindernis mit eigener Erfolgsstatistik.
Messdaten müssen auch die Nebenwirkungen erfassen
Beim Anschluss Landquart prüft das ASTRA weitere Möglichkeiten. Nach dem SRF-Bericht vom 25. Oktober 2026 werden Verkehrsbewegungen mit Kameras erfasst und anschliessend in Simulationen untersucht. Dabei geht es auch darum, wo Rückstaus entstehen und ob sie andere Zufahrten blockieren. Eine untersuchte Dosierampel ist noch kein beschlossenes Bauprojekt.
Für eine nachvollziehbare Bewertung bieten sich mehrere Kriterien an: Verkehrsmenge in den Dörfern, Dauer der Rückstaus, Verlässlichkeit der Busverbindungen und Erreichbarkeit lokaler Ziele. Dazu gehört der Vergleich mit ähnlich stark belasteten Tagen. Wenn eine Ortschaft entlastet wird, während die Nachbargemeinde deutlich mehr Verkehr erhält, ist das Ergebnis regional noch nicht überzeugend.
Auch Rückmeldungen aus den Gemeinden können die Messungen ergänzen. Wiederholt blockierte Zufahrten oder verpasste Busanschlüsse sollten dabei möglichst mit Ort, Zeit und Situation erfasst werden. So lassen sich konkrete Probleme von einem allgemeinen Eindruck trennen. Einzelbeobachtungen ersetzen keine Verkehrszählung, können aber zeigen, an welcher Stelle genauer hingesehen werden sollte.
Automatisierung und Ausbau haben unterschiedliche Aufgaben
Für Frühling 2027 kündigt Graubünden einen Pilotbetrieb mit ausgewählten automatisierten Dosieranlagen an. Bei positiven Erfahrungen soll der Betrieb im Sommer auf weitere vorgesehene A13-Standorte ausgeweitet werden. Welche Anlagen wann folgen, ist im November 2026 noch offen. Der angekündigte nächste Schritt darf deshalb nicht als bereits flächendeckend funktionierendes System dargestellt werden.
Parallel arbeitet der Bund an der Hauptachse. Das ASTRA-Projekt zwischen Landquart und der Verzweigung Sarganserland schafft Voraussetzungen für eine temporäre Pannenstreifenumnutzung; die angegebene Bauzeit reicht von 2025 bis 2029. Daraus ergibt sich keine allgemeine Erlaubnis, den Pannenstreifen schon heute als zusätzliche Fahrspur zu benutzen.
Geschwindigkeitsharmonisierung verfolgt einen weiteren Ansatz: Bei dichtem Verkehr soll ein gleichmässigerer Ablauf abrupte Bremsvorgänge und instabile Verkehrsbewegungen vermindern. Solche Systeme können den Betrieb verbessern. Sie ersetzen aber weder die Abstimmung der Anschlüsse noch eine Auseinandersetzung mit zeitlich gebündelter Nachfrage.
Sperrungen sind keine einfache Alternative zur Steuerung
Der Kanton lässt auch zusätzliche rechtliche und verkehrstechnische Möglichkeiten zur Begrenzung des Durchgangsverkehrs prüfen. Dazu gehört die Frage, wie eine Sperrung von Kantonsstrassen mit der Vignettenpflicht auf dem entsprechenden Nationalstrassenabschnitt zusammenhängt. Nach dem Stand vom November 2026 ist das Ergebnis offen; eine neue allgemeine Sperrregel lässt sich daraus nicht ableiten.
Unabhängig von der rechtlichen Lösung bleibt eine praktische Aufgabe: Wohnungen, Betriebe und touristische Ziele müssen erreichbar sein. Eine verständliche Verkehrsführung muss deshalb erklären, welche Fahrt wohin möglich bleibt. Bloss zwischen „Einheimischen“ und „Touristen“ zu unterscheiden, bildet die unterschiedlichen Fahrtzwecke nicht ausreichend ab.
Die vermeintliche Abkürzung hat Folgen für andere
Navigationssysteme können eine Nebenroute aus Sicht einer einzelnen Fahrt attraktiv erscheinen lassen. Treffen viele solche Entscheidungen zusammen, beanspruchen sie dieselben knappen Ortsstrassen. Die angezeigte Ankunftszeit sagt wenig darüber aus, welche Auswirkungen die Route auf Busse, Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer hat.
Das ASTRA empfiehlt bei Überlastung, auf der Autobahn zu bleiben und genügend Reisezeit einzuplanen. Der BELMEDIA-Beitrag „Schweiz: Staugefahr an Feiertagen – ASTRA warnt vor massivem Verkehr“ auf reiseziele.ch vom Mai 2026 ordnet diese Rücksicht auf die betroffenen Ortschaften ein. Angeordnete Umleitungen bei einer Sperrung sind davon zu unterscheiden.
Das folgende deutschsprachige Erklärvideo behandelt die Entstehung von Phantomstaus. Es vermittelt einen allgemeinen Hintergrund zum Verkehrsfluss und zeigt keine konkrete Verkehrslage auf der A13 oder A28. Die Bündner Belastungsspitzen lassen sich zudem nicht allein durch individuelles Brems- oder Spurwechselverhalten erklären.
Touristische Anreise als Teil des Angebots planen
Eine Entlastung setzt auch bei den Fahrten selbst an. Zeitlich flexiblere An- und Abreisen sowie die Bahn können helfen, Spitzen zu entzerren. Voraussetzung ist eine brauchbare Verbindung bis zum tatsächlichen Ziel. Eine Bahnfahrt bis zum Umsteigebahnhof löst das Problem noch nicht, wenn die letzte Verbindung zur Unterkunft unklar bleibt.
Für Ferienanbieter gehören deshalb Gepäcktransport, Anschlussmöglichkeiten und der Weg von der Haltestelle zur Unterkunft in die Anreiseinformation. Der Beitrag „Ruhige Winterhotels in den Bergen: Rückzug abseits des Skitrubels wählen“ auf tourismus.ch aus dem Jahr 2026 zeigt, weshalb gerade die letzte Etappe sorgfältig geplant werden muss. Verbindungen und mögliche Bauarbeiten bleiben vor der Reise zu prüfen.
Ebenso lohnt sich eine klare Information über Check-in und Abreise. Ein enges Zeitfenster kann Gäste zu ähnlichen Fahrzeiten bewegen; flexiblere Abläufe können Spielraum schaffen. Ob das die Strassen tatsächlich entlastet, hängt von der Nutzung ab. Eine entsprechende Wirkung sollte daher überprüft und nicht allein aus dem Angebot abgeleitet werden.
Entlastung muss im Alltag der Gemeinden ankommen
Eine überzeugende Verkehrspolitik verbindet einen möglichst stabilen Betrieb der Nationalstrassen mit funktionierenden Ortsnetzen und gut erreichbaren Ferienzielen. Ihr Erfolg zeigt sich nicht allein an der Länge der Autobahnkolonne. Ebenso wichtig ist, ob lokale Fahrten möglich bleiben und zusätzliche Belastungen durch Ausweichverkehr tatsächlich sinken.
Für A13 und A28 bedeutet das eine fortlaufende Abstimmung zwischen Bund, Kanton, Regionen und Gemeinden. Dosierungen, technische Anlagen und Anreiseangebote erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Dauerhaft tragfähig wird die Kombination, wenn sie Verkehrsspitzen bewältigt und die bewohnten Strassen nicht zum unkontrollierten Ausweichraum macht.
Bildquellen: Titelbild: iStock/tupungato; Bild 1: iStock/makasana; Bild 2: iStock/makasana; Bild 3: iStock/Roman Babakin; Bild 4: iStock/Denis Linine