Autofahren: 10 Irrtümer, die Sie kennen sollten

KI-generiertes Symbolbild eines Autofahrers, der bei geöffneter Motorhaube den Motorraum eines dunkelgrauen Personenwagens kontrolliert. Im Hintergrund sind Schweizer Alpen und ein See zu sehen.

Viele Autofahrer halten sich an Regeln, die sie bereits vor Jahrzehnten gelernt haben. Den Motor im Winter warmlaufen lassen, möglichst teuren Treibstoff tanken oder beim Bergabfahren in den Leerlauf schalten: Manche dieser vermeintlich guten Ratschläge sind längst überholt. Andere enthalten einen wahren Kern, werden aber häufig falsch verstanden.

Moderne Motoren, elektronische Steuergeräte, effizientere Automatikgetriebe und neue Sicherheitssysteme haben das Autofahren grundlegend verändert. Trotzdem halten sich zahlreiche Behauptungen hartnäckig. Dabei können falsche Gewohnheiten den Treibstoffverbrauch erhöhen, Bauteile unnötig belasten und sogar die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.

Gerade in der Schweiz sind einige dieser Irrtümer besonders relevant. Kalte Wintermorgen, steile Bergstrassen und hohe Autobahngeschwindigkeiten stellen unterschiedliche Anforderungen an Fahrzeuge. Wer die technischen Zusammenhänge versteht, kann sein Auto schonender behandeln, Kosten sparen und gefährliche Situationen vermeiden.

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Das Wichtigste auf einen Blick
Warmlaufen: Moderne Motoren werden während schonender Fahrt schneller warm.
Treibstoff: Höhere Oktanzahlen bringen nicht jedem Motor Vorteile.
Reifen: Der korrekte Luftdruck ist wichtiger als möglichst hoher Druck.
Automatik: Moderne Getriebe können besonders effizient arbeiten.
Sicherheit: Fahrzeuggewicht allein macht ein Auto nicht sicher.
Was das bedeutet
Viele ältere Autofahrerweisheiten stammen aus der Zeit von Vergasermotoren und einfachen Getrieben. Entscheidend sind heute die technischen Eigenschaften und die Herstellervorgaben des jeweiligen Fahrzeugs. Besonders beim Motorstart, Reifendruck und Bergabfahren lassen sich durch richtiges Verhalten unnötige Kosten und Risiken vermeiden.

1. Ein Motor muss im Winter warmlaufen

Dieser Mythos gehört zu den bekanntesten überhaupt. Früher liessen viele Autofahrer ihren Motor mehrere Minuten laufen, bevor sie losfuhren.

Bei modernen Benzin- und Dieselmotoren ist das normalerweise unnötig. Unter leichter Belastung erreichen Motor und Betriebsstoffe ihre Arbeitstemperatur schneller.

Wichtig ist, zunächst niedrige bis mittlere Drehzahlen zu verwenden und starke Beschleunigungen zu vermeiden.

In der Schweiz ist unnötiges Vorwärmen und Laufenlassen des Motors im Stand gemäss Verkehrsregelnverordnung zudem untersagt.

2. Teurer Premium-Treibstoff macht jedes Auto schneller

An Tankstellen werden verschiedene Benzinsorten mit unterschiedlichen Oktanzahlen angeboten.

Eine höhere Oktanzahl bedeutet vor allem eine bessere Klopffestigkeit, nicht automatisch mehr Energie oder Leistung.

Motoren, deren Steuerung und Verdichtung darauf ausgelegt sind, können profitieren. Bei vielen gewöhnlichen Fahrzeugen bringt teurerer Treibstoff dagegen kaum einen Vorteil.

Massgeblich bleibt die Empfehlung des Herstellers.

3. Im Leerlauf bergab spart man Benzin

Gerade auf Schweizer Passstrassen hält sich diese Vorstellung hartnäckig.

Moderne Einspritzmotoren besitzen häufig eine Schubabschaltung. Bleibt beim Bergabfahren ein Gang eingelegt und wird nicht beschleunigt, kann die Kraftstoffzufuhr vorübergehend vollständig unterbrochen werden.

Im Leerlauf muss der Motor dagegen weiterhin Treibstoff verbrauchen, um nicht abzustellen.

Ausserdem fehlt die Motorbremswirkung. Dadurch können insbesondere bei langen Abfahrten die Betriebsbremsen stärker belastet werden.

4. Elektroautos brennen häufiger als Benziner

Brennende Elektroautos sorgen regelmässig für Schlagzeilen. Daraus entsteht schnell der Eindruck, dass Fahrzeuge mit Batterie besonders häufig Feuer fangen.

Ein solcher pauschaler Vergleich ist jedoch nicht gerechtfertigt.

Das Brandrisiko hängt von Fahrzeugtyp, Alter, Nutzung, Unfallsituation und technischen Defekten ab.

Bei Elektroautos können beschädigte Hochvoltbatterien besondere Herausforderungen für Rettungskräfte darstellen. Ein Batteriebrand kann schwer zu löschen sein und erneut aufflammen.

Häufigkeit und Schwierigkeit eines Brandes sind allerdings zwei unterschiedliche Fragen.

5. Klimaanlage verbraucht immer mehr als offene Fenster

Eine eingeschaltete Klimaanlage benötigt Energie. Daraus folgt aber nicht, dass geöffnete Fenster immer sparsamer sind.

Bei höheren Geschwindigkeiten verschlechtern offene Seitenfenster die Aerodynamik und erhöhen den Luftwiderstand.

Bei langsamer Fahrt kann das Öffnen der Fenster dagegen eine energiesparende Alternative sein.

Welche Variante effizienter ist, hängt vom Fahrzeug, der Geschwindigkeit und den Aussentemperaturen ab.

6. Motoröl muss alle 5000 Kilometer gewechselt werden

Regelmässige Ölwechsel sind wichtig. Eine pauschale Kilometergrenze gilt für moderne Autos jedoch nicht.

Hersteller legen Wartungsintervalle anhand von Motorbauart, Ölqualität und Betriebsbedingungen fest.

Bei manchen Fahrzeugen sind deutlich längere Intervalle vorgesehen. Häufige Kurzstrecken, extreme Temperaturen oder hohe Belastungen können allerdings kürzere Wechselintervalle erforderlich machen.

Wichtig ist auch, die vorgeschriebene Ölspezifikation einzuhalten.

7. Je höher der Reifendruck, desto besser

Richtig ist: Zu geringer Reifendruck erhöht den Rollwiderstand und kann den Treibstoffverbrauch steigern.

Daraus folgt allerdings nicht, dass beliebig stark aufgepumpte Reifen besser sind.

Überhöhter Druck ausserhalb der Herstellervorgaben kann Komfort, Reifenverschleiss und Fahrverhalten beeinträchtigen.

Entscheidend sind die Angaben am Fahrzeug oder in der Betriebsanleitung. Der Reifendruck sollte regelmässig bei kalten Reifen kontrolliert werden.

8. Automatikautos verbrauchen grundsätzlich mehr

Bei älteren Fahrzeugen benötigten Automatikgetriebe häufig mehr Treibstoff als vergleichbare Handschalter.

Diese Aussage ist heute nicht mehr allgemeingültig.

Moderne Wandlerautomaten, Doppelkupplungsgetriebe und automatisierte Systeme können sehr effizient arbeiten.

Sie wählen passende Übersetzungen und halten den Motor häufig in einem günstigen Drehzahlbereich.

Je nach Fahrzeug kann eine moderne Automatik sparsamer sein als ein vergleichbarer Handschalter.

9. Schwere Autos sind automatisch sicherer

Bei bestimmten Zusammenstössen zwischen unterschiedlich schweren Fahrzeugen kann das höhere Gewicht Vorteile bieten.

Die gesamte Sicherheit eines Autos lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Karosseriestruktur, Knautschzonen, Rückhaltesysteme, Bremsen und elektronische Assistenzsysteme spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Ausserdem beeinflusst das Fahrzeuggewicht die Bewegungsenergie und kann damit das Gefahrenpotenzial für andere Verkehrsteilnehmer erhöhen.

Unabhängige Crashtests liefern deshalb aussagekräftigere Informationen als das Gewicht allein.

10. Wenig Kilometer bedeuten automatisch ein gutes Auto

Ein niedriger Kilometerstand wirkt beim Gebrauchtwagenkauf attraktiv. Er garantiert jedoch keinen guten technischen Zustand.

Ein Fahrzeug mit vielen Kurzstrecken kann stärker belastet worden sein als eines, das regelmässig längere Autobahnfahrten absolviert hat.

Auch lange Standzeiten können Batterie, Reifen, Bremsen und Dichtungen beeinträchtigen.

Entscheidend sind Wartungshistorie, Alter, Einsatzbedingungen und eine sorgfältige technische Prüfung.

Warum sich alte Autofahrerweisheiten halten

Viele Mythen entstanden unter technischen Bedingungen, die heute nicht mehr gelten.

Vergasermotoren benötigten beispielsweise eine andere Behandlung als moderne Fahrzeuge mit elektronischer Einspritzung.

Auch das Verständnis von Verschleiss und Wartung hat sich verändert.

Besonders sinnvoll ist deshalb eine schonende Erwärmung des Motors während der Fahrt statt langem Warmlaufen im Stand.

Wer sich an die Herstellervorgaben hält und technische Zusammenhänge berücksichtigt, fährt im Alltag meist wirtschaftlicher und sicherer.

AKTUELLER STAND
10 Automythen im Faktencheck
Technische Einordnung | Oktober 2026
Behauptung Faktencheck
Motor warmlaufen lassen Unnötig und im Stand rechtlich problematisch
Premium-Benzin ist immer besser Abhängig von der Motorauslegung
Leerlauf spart bergab Bei modernen Einspritzmotoren meist falsch
E-Autos brennen häufiger Pauschal nicht belegt
Offene Fenster sind sparsamer Abhängig von der Geschwindigkeit
Ölwechsel alle 5000 km Herstellerintervall beachten
Mehr Reifendruck ist besser Vorgegebene Druckwerte einhalten
Automatik verbraucht mehr Bei modernen Autos oft falsch
Schwerer bedeutet sicherer Gewicht allein reicht nicht
Wenig Kilometer bedeutet besser Wartung und Nutzung sind entscheidend

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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