Ambri verblüfft die Liga – das Erfolgsgeheimnis von Jussi Tapola

KI-generiertes Symbolbild von Ambri-Piotta-Trainer Jussi Tapola, der konzentriert und selbstbewusst an der Spielerbank das Geschehen auf dem Eis verfolgt.

Der HC Ambri-Piotta ist die grosse Überraschung der bisherigen National-League-Saison. Nach zwölf Meisterschaftsspielen stehen die Leventiner mit 21 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz – ein Jahr zuvor waren es zum gleichen Zeitpunkt lediglich sieben Zähler. Bemerkenswert ist dieser Aufschwung vor allem deshalb, weil Jesse Virtanen, einer der wichtigsten Verteidiger der vergangenen Jahre, verletzungsbedingt noch keine Partie bestreiten konnte. Im Zentrum des Erfolgs steht Trainer Jussi Tapola, dessen Spielphilosophie weit über das reine Verteidigen hinausgeht.

Sieben Siege aus zwölf Spielen, 37 erzielte Tore und eine durchschnittliche Ausbeute von 1,75 Punkten pro Begegnung: Ambri hat einen bemerkenswerten Start hingelegt. Besonders eindrücklich waren zuletzt der 5:0-Auswärtssieg in Kloten und das 6:3 gegen Genève-Servette. Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Entscheidender ist, wie die Mannschaft ihre Spiele inzwischen gestaltet und wie verschiedene Spieler Verantwortung übernehmen.

Die Entwicklung ist für das Schweizer Eishockey besonders interessant. Ambri verfügt nicht über die finanziellen Möglichkeiten der grössten National-League-Klubs, kann aber durch Organisation, Rollenverteilung und eine klare taktische Identität konkurrenzfähig sein. Tapola hat bereits vier finnische Meistertitel gewonnen. Nun deutet sich in der Leventina an, weshalb sein Ansatz auch mit einem weniger prominent besetzten Kader funktionieren kann.

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Das Wichtigste auf einen Blick
Ambri: 21 Punkte aus zwölf Spielen, Rang vier.
Vorjahr: Nur sieben Punkte nach zwölf Partien.
Leistungssteigerung: Verdreifachung der Punktausbeute.
Jesse Virtanen: Wegen einer Verletzung weiterhin ohne Saisoneinsatz.
Jussi Tapola: Vierfacher finnischer Meister und CHL-Sieger.
Was das bedeutet
Ambri hat sich vom letztjährigen Krisenteam zu einem ernsthaften Konkurrenten in der oberen Tabellenhälfte entwickelt. Die grosse Herausforderung besteht darin, diese Leistungen über die gesamte Qualifikation zu bestätigen und auch gegen individuell stärkere Gegner regelmässig zu punkten.

Aus einer Krise ist eine Mannschaft geworden

Vor einem Jahr präsentierte sich Ambri in einer völlig anderen Verfassung. Nach zwölf Meisterschaftsspielen standen lediglich sieben Punkte zu Buche. Defensive Fehler, fehlende Konstanz und die sportliche Krise bestimmten das Geschehen.

Heute sind es 21 Punkte. Der Unterschied von 14 Zählern ist aussergewöhnlich, zumal der Klub keinen vollständigen Austausch seiner Mannschaft vorgenommen hat.

Ein wesentlicher Teil der Erklärung liegt im veränderten Spielansatz. Tapola verlangt eine kollektive Organisation, bei der nicht einzelne Stars, sondern die Zusammenarbeit aller fünf Feldspieler im Mittelpunkt steht.

Das macht Ambri weniger abhängig von herausragenden Einzelleistungen.

Warum Tapolas System so wirkungsvoll sein kann

Tapolas Hockey basiert auf klaren Abständen, gegenseitiger Unterstützung und einer konsequenten Verbindung zwischen Defensive und Offensive.

Im eigenen Drittel sollen die Spieler nicht unkoordiniert dem Puck hinterherlaufen. Entscheidend ist, gefährliche Räume zu kontrollieren und den Gegner möglichst zu Abschlüssen aus ungünstigen Positionen zu zwingen.

Nach einem Puckgewinn müssen Verteidiger und Stürmer gemeinsam handeln. Kurze Anspielstationen erleichtern den kontrollierten Spielaufbau. Gleichzeitig soll mindestens ein Spieler so positioniert sein, dass bei einem Scheibenverlust nicht sofort ein gefährlicher Gegenangriff entsteht.

Für Mannschaften mit begrenzteren finanziellen Mitteln ist diese Philosophie besonders interessant: Gute Organisation kann einen Teil individueller Qualitätsunterschiede ausgleichen.

Die Resultate sprechen bislang für den eingeschlagenen Weg. Allerdings zeigen die 35 Gegentore aus zwölf Spielen auch, dass Ambri defensiv noch keineswegs durchgehend stabil ist.

Die Offensive ist breiter aufgestellt

Der Erfolg lässt sich nicht allein mit defensiver Disziplin erklären. Mit 37 Treffern erzielt Ambri bislang durchschnittlich etwas mehr als drei Tore pro Spiel.

Michael Joly, Roby Järventie, Nathan Schnarr und Tommaso De Luca stehen für unterschiedliche offensive Qualitäten. Auch Inti Pestoni bleibt mit seiner Erfahrung und seinen technischen Fähigkeiten wichtig.

Beim 6:3-Heimsieg gegen Genève-Servette zeigte sich, wie wertvoll diese Verteilung sein kann. Joly und De Luca trafen jeweils doppelt.

Bereits einen Tag zuvor hatte Ambri Kloten mit 5:0 bezwungen. Järventie erzielte dabei zwei Treffer.

Die Offensive kann damit aus verschiedenen Formationen Gefahr erzeugen. Gegner müssen mehr als nur eine einzelne Linie neutralisieren.

Der erstaunlichste Faktor: Virtanen fehlt komplett

Besonders bemerkenswert ist der sportliche Aufschwung angesichts der Abwesenheit von Jesse Virtanen.

Der finnische Verteidiger gehörte in den vergangenen Jahren zu den prägenden Spielern der Leventiner. Mit seiner Übersicht, seinem ersten Pass und seiner Präsenz im Powerplay war er ein zentraler Bestandteil des Ambri-Spiels.

Im April 2026 musste Virtanen wegen einer Verletzung im unteren Körperbereich operiert werden. Der Klub kündigte damals eine Pause von vier bis fünf Monaten an.

Auch nach zwölf Meisterschaftsspielen der neuen Saison steht für ihn noch kein Einsatz zu Buche.

Dass Ambri trotzdem vorne mitspielt, zeigt die Bedeutung einer funktionierenden Mannschaftsstruktur. Verantwortung im Spielaufbau und in der Defensive wird auf mehrere Schultern verteilt.

Dabei übernehmen unter anderem Tim Heed, Dario Wüthrich und weitere Verteidiger wichtige Aufgaben.

Eine Rückkehr Virtanens würde zusätzliche Qualität bringen. Sie könnte Tapola allerdings auch vor die anspruchsvolle Aufgabe stellen, einen Schlüsselspieler in eine bereits funktionierende Rollenverteilung einzubauen.

Tapola weiss, wie man Meisterschaften gewinnt

Jussi Tapolas Leistungsausweis ist beeindruckend. Mit Tappara Tampere gewann er 2016, 2017, 2022 und 2023 die finnische Meisterschaft. Dazu kam 2023 der Triumph in der Champions Hockey League.

Tappara war allerdings selbst ein etablierter Spitzenklub. Die Titel sind deshalb kein Beleg dafür, dass Tapola viermal mit einem Aussenseiter Meister wurde.

Seine besondere Stärke liegt vielmehr darin, Mannschaften über längere Zeit auf hohem Niveau zu organisieren und auf entscheidende Saisonphasen vorzubereiten.

Bei Ambri steht er vor einer anderen Aufgabe als in Tampere. Hier muss er ein Team entwickeln, das gegen finanziell stärkere Konkurrenten regelmässig bestehen kann.

Dafür benötigt er ein System, das auch ohne überdurchschnittliche individuelle Qualität funktioniert.

Warum die nächsten Wochen entscheidend werden

So eindrücklich die bisherigen Resultate sind, nach zwölf von 52 Qualifikationsspielen bleibt die Aussagekraft begrenzt.

Ambri hat eine Tordifferenz von lediglich plus zwei. Das deutet darauf hin, dass die Mannschaft trotz ihrer starken Punktausbeute noch keine deutliche Überlegenheit entwickelt hat.

Gleichzeitig beweisen Siege gegen Fribourg-Gottéron und Genève-Servette, dass die Leventiner auch schwierige Gegner bezwingen können.

Am Dienstag wartet erneut Fribourg, danach folgen die Rapperswil-Jona Lakers und Ajoie. Ende Oktober stehen zudem die ZSC Lions und das Tessiner Derby gegen Lugano auf dem Programm.

Gerade diese Begegnungen werden zeigen, wie belastbar Tapolas Spielmodell ist.

Die bisher wichtigste Erkenntnis steht aber bereits fest: Ambri benötigt nicht zwingend einen überragenden Einzelspieler, um erfolgreich zu sein. Wenn Rollenverteilung, Einsatzbereitschaft und taktische Abläufe ineinandergreifen, kann aus einer unterschätzten Mannschaft ein ernsthafter Konkurrent werden.

AKTUELLER STAND
National League 2026/27 – Tabelle
18. Oktober 2026 | Nach zwölf Spielen von Ambri
Rang / Team Sp. Diff. Pkt.
1. ZSC Lions 12 +25 33
2. Genève-Servette 13 +3 24
3. Fribourg-Gottéron 12 +14 21
4. HC Ambri-Piotta 12 +2 21
5. Lausanne HC 14 +1 21
6. SC Bern 11 +4 20
7. HC Ajoie 14 -4 19
8. SCL Tigers 13 +3 19
9. EV Zug 8 +11 16
10. HC Davos 13 -7 16
11. HC Lugano 12 -3 15
12. EHC Biel 12 -6 13
13. SCRJ Lakers 13 -18 11
14. EHC Kloten 13 -25 9

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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